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Bekanntheitsgrad und Nutzenerwartung

Bei einer ersten Befragung im Jahr 2003 war der Begriff MES noch mehr als 50% der Teilnehmer unbekannt. Die letzten drei Jahre zeigen hier eine deutliche Entwicklung: Zwar erscheint der Bekanntheitsgrad des Begriffs MES im Vergleich zu seit langem etablierten Begriffen wie PPS (Produktionsplanung und -steuerung), ERP (Enterprise Resource Planning) oder elektronischer Leitstand noch gering, im Vergleich mit eher jüngeren Trends, wie z.B. APS (Advanced Planning and Scheduling) oder auch PLM (Product Lifecycle Management), zeigt sich jedoch, dass sich der Begriff MES auf dem Anwendermarkt bereits stärker durchgesetzt hat (vgl. Abbildung). Lediglich 20% der Teilnehmer haben den Begriff noch nicht gehört, während mehr als 40% angeben, den Begriff gut erklären zu können.

Bekanntheit MES Begriff

Abbildung: Bekanntheit produktionsbezogener Begriffe

Ein weiterer Indikator für den Bekanntheitsgrad ist die Beschäftigungsdauer mit MES im eigenen Unternehmen (vgl. Abbildung a). Ca. 20% der Befragten setzen sich erst seit einem Jahr mit der MES-Thematik auseinander, nur rund ein Drittel bisher gar nicht.

Die ebenfalls abgefragte Einsatzplanung zeigt Abbildung b: Mehr als 30% der Befragten haben bereits ein MES im Einsatz, davon knapp 25% länger als 18 Monate. Gut 15% der Befragten gaben an, in absehbarer Zeit MES einzusetzen.

Insgesamt die Hälfte der Befragten gibt an, keinen MES-Einsatz zu planen. Als Antwortmöglichkeiten dominierten vier Gründe (ca. 20% Mehrfachnennungen):

  • knapp 30% der Befragten gibt an, keine Notwendigkeit zu sehen,
  • knapp 25% sind bisher auch ohne MES zurecht gekommen,
  • knapp 20% erkennen keinen ausreichenden Zusatznutzen und
  • bei knapp 15% ist kein Budget bzw. Ressourcen vorgesehen.

Offensichtlich befindet sich das Thema noch in der Orientierungsphase und es setzt sich erst schrittweise durch. Somit besteht bei vielen Anwendern noch erheblicher Klärungs- bzw. Überzeugungs­bedarf.

Einsatzplanung MES

Abbildung: Beschäftigungsdauer und Einsatzplanung

Die abgefragte Nutzenerwartung spiegelt den produktionsnahen Fokus der Teilnehmer wieder (maximal drei Mehrfachnennungen möglich) (vgl. Abbildung):

  • Kürzere Durchlaufzeiten, höhere Transparenz, Produktivitätsverbesserung, höhere Planungssicherheit sowie Termintreueverbesserung bekamen jeweils mehr als 20% der Nennungen (rote Balken).
  • In der Kategorie der Nutzenerwartungen zwischen 10 und 20% (gelbe Balken) vermischen sich logistische (z.B. Lieferterminermittlung), administrative (z.B. Produktrückverfolgbarkeit) und finanzwirtschaftliche Themen (z.B. Kosteneinsparung, Bestandsreduktion).
  • Erst in der Kategorie der Nutzenerwartungen < 10%“ (blaue Balken) erscheinen Themen wie Auslastungs- oder Durchsatzerhöhung. Ziele zur Qualitätsverbesserung wurden praktisch überhaupt nicht genannt.

Offensichtlich dominieren die Erwartungen hinsichtlich einer logistischen Leistungs­steigerung. Demgegenüber fallen von Anbietern oft in den Vordergrund gestellte Argumente wie Produktrückverfolgbarkeit oder Flexibilitäts- und Auslastungserhöhung deutlich ab. Dies eröffnet unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten: Entweder sind den Industrie­anwendern nicht alle Einsatzmöglichkeiten von MES bekannt oder sie sehen auf diesen Gebieten aktuell keinen Handlungsbedarf für ihre Produktion. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass der Teilnehmeranteil in stark regulierten Branchen wie z.B. Lebensmittel- oder Prozessindustrie mit weniger als 10% deutlich unterrepräsentiert ist.

MES Nutzenerwartung

Der hohe Teilnehmeranteil aus der Stückgüterindustrie erklärt auch, wie die Befragten den MES-Schwerpunkt hinsichtlich der Aufgabenblöcke bewerten: Lediglich 9% der Befragten sehen ihn auf der technischen Produktions- und Prozessüberwachung (Tracking and Tracing); bemerkenswert hohe 21% fokussieren funktional auf logistische Aspekte, also die Planung und Steuerung der Produktion. Die Bedeutung der einzelnen MES-Aufgaben bestätigt diesen Fokus.

Mit Abstand am höchsten wird die Feinplanung und -steuerung bewertet, gefolgt vom Informationsmanagement, der Datenerfassung und -verteilung sowie dem Material­management. Umgekehrt ist dies natürlich auch ein Ausdruck des Zuständigkeitsbereichs der Befragten (knapp 50% fertigungsnahe Teilnehmer).

Der geringe Anteil der Befragten aus Qualitätsmanagement und Service erklärt die geringe Bewertung von Qualitäts- und Betriebsmittelmanagement. Die geringe Bewertung des Personalmanagements ist so nicht zu erklären: Offensichtlich messen Produktions­verantwortliche diesem Bereich keine hohe Bedeutung zu oder sie erwarten von einem MES keine Verbesserung.

Insgesamt sehen die Befragten also eher logistische Potentiale in ihrem Umfeld, der hohe Anteil an Stückgüterherstellern schlägt sich auch hier deutlich nieder.

Zwischenfazit

  • Das Interesse am Thema „MES“ sowie Kenntnisse über die Inhalte, Zusammenhänge und Potentiale haben – zumindest bei fertigungsnahe Entscheidungsträgern – in den letzten drei Jahren deutlich zugenommen. Viele Unternehmen billigen den MES erhebliche Nutzenpotentiale zu.
  • Die Mehrzahl der Befragten hat im Hinblick auf MES ein umfassendes Begriffsverständnis, das sowohl die Produktionsplanung und -steuerung als auch das „Tracking & Tracing“ umfasst. Die größte Bedeutung wird dabei dem Aufgabenbereich der der Feinplanung und -steuerung der Produktion beigemessen.
  • Rund ein Drittel der befragten Unternehmen setzt mittlerweile Software-Lösungen für MES ein. Bei weiteren 15% bestehen konkrete Planungen für den Einsatz derartiger Lösungen.
  • Neben den verbleibenden Kenntnisdefiziten – insbesondere in den fertigungsferneren Bereichen der Geschäftsführung und IT – stellen fehlende Investitionsbudgets die größte Hürde für eine weitere Verbreitung von MES in Produktionsunternehmen dar, sofern ein konkreter Nutzen des MES-Einsatzes gesehen wird.

Demnach hat MES als produktionsnahes Aufgabengebiet mittlerweile die Phase der „Kinderschuhe“ verlassen und beginnt, sich in den Unternehmen zu etablieren. Relevanter Aufklärungsbedarf besteht offenbar noch außerhalb der fertigungsnahen Unternehmensbereiche.

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